Wenn der Alltag zum Kampf wird

Larissa Aichinger (27) aus Deggendorf leidet an einem Lipödem

Montag, 2. März 2020
Larissa Aichinger (kleines Bild) leidet an einem Lipödem - einer chronischen Fettverteilungsstörung.

Larissa Aichinger (kleines Bild) leidet an einem Lipödem - einer chronischen Fettverteilungsstörung.

(Quelle: Aichinger)

Die 27-jährige Larissa Aichinger aus Deggendorf leidet an einem Lipödem - einer krankhaften Fettverteilungsstörung. Ihr Zustand ist mittlerweile so ernst, dass sie auf einen Rollstuhl angewiesen ist und eine Operation benötigt. Die Kosten dafür würden sich allerdings im sechsstelligen Bereich bewegen. Für die junge Frau und ihre Familie wäre das kaum zu stemmen. Sie hat deswegen im Netz einen Spendenaufruf gestartet, um auf ihren Fall und die Krankheit aufmerksam zu machen.

Bereits im Alter von elf Jahren wurde bei Larissa eine deutliche Disproportion von Armen und Beinen festgestellt, die im Laufe der Pubertät noch ausgeprägter wurde. Allerdings dachte damals niemand, dass eine Krankheit die Ursache sein könnte. "Ich wurde einfach als übergewichtig abgetan. Mir wurde gesagt, ich solle mich mehr bewegen und weniger essen", erinnert sich die 27-Jährige heute. Doch obwohl sie teilweise exzessiv Sport trieb, änderte sich an ihrer Figur nichts. Im Gegenteil: Während ihr Oberkörper abmagerte, wurden ihre Arme, Beine und Hüften immer gewaltiger.

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Verdacht auf Herzinfarkt - mit 27

Erst später wurde festgestellt, dass die Deggendorferin an einem sogenannten Lipödem leidet. Dabei handelt es sich um eine chronische Fettverteilungsstörung, die ausschließlich bei Frauen nach hormonellen Umstellungen (zum Beispiel der Pubertät oder einer Schwangerschaft) auftreten kann. Bei einem Lipödem ist das Unterhautfettgewebe stark vermehrt. Je nach Schwere werden drei Stadien der Erkrankung unterschieden. In Larissas Fall ist bereits Stadium III erreicht. "Mein körperlicher Zustand ist mittlerweile leider wirklich ernst", sagt die 27-Jährige. "Erst vor einem Monat war ich notfallmäßig im Krankenhaus. Die Diagnose: Verdacht auf Herzinfarkt. Mit 27. Diese hat sich zum Glück nicht bestätigt, war aber ausschlaggebend für weitere Untersuchungen." Dabei wurde etwa festgestellt, dass ihre Nerven an beiden Unterschenkelrückseiten mittlerweile so gut wie reaktionslos sind. Dazu kommen noch eine Fehlstellung der Beinachse, eine chronische Venenentzündung und schwere Rückenschmerzen. Bei vielen alltäglichen Dingen ist die 27-Jährige mittlerweile auf Hilfe angewiesen. "Mein Alltag ist ein einziger Alptraum aus höllischen Schmerzen", findet sie drastische Worte für ihre momentane Situation.

Helfen könnte ihr eine Operation, bei der das Fettgewebe aus ihren Armen und Beinen abgesaugt wird. Allerdings müsste sie diese aus eigener Tasche bezahlen, da ihre Krankenkasse die Kosten dafür nicht übernimmt. Laut der 27-Jährigen würden sich die Kosten inklusive Folgebehandlungen aber auf über 100.000 Euro belaufen. "Diese Summe ist für mich derart utopisch, dass mir davon schlecht wird", sagt sie. "Ich und meine Familie müssen uns schon jetzt finanziell ganz massiv einschränken. Um diese Operation bezahlen zu können, müssten wir wohl unser Haus verkaufen."

Bohrende Blicke und dumme Sprüche

In ihrer Verzweiflung hat sich Larissa deswegen entschlossen, einen Spendenaufruf der Plattform gofundme zu starten. Das hat sie einiges an Überwindung gekostet, wie sie selbst zugibt "Ich würde mich am liebsten einfach verstecken - vor all den zeigenden Fingern, den bohrenden Blicken und den vielen dummen und teilweise sehr beleidigenden Aussagen, die mir in meinem Alltag entgegen schlagen. Doch schweigsam geht die Welt zugrunde. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, an dem ich diesen Zustand nicht mehr länger hinnehmen kann und will. Zwar gibt mein Körper langsam auf, doch ich möchte kämpfen."

Vor allem möchte die 27-Jährige nicht, dass ihre Familie wegen ihr in finanzielle Not gerät. "Ich falle meinen Eltern durch meine Erkrankung schon mehr als genug zur Last. Sie würden das vermutlich nicht so sehen, aber ich schon. So stiehlt die Krankheit nicht nur mir das Leben, sondern auch ihnen. Das ist nicht fair." Bislang hat Larissa auf ihr Spendengesuch immerhin schon 1.070 Euro bekommen. "Ich war sehr gerührt, als die ersten Spenden eintrafen. Von wildfremden Menschen, die mich gar nicht kennen, aber trotzdem helfen möchten. Die nicht wegschauen möchten und sich wirklich etwas um ihre Mitmenschen scheren. Das hätte ich in der heutigen Zeit wirklich nicht für möglich gehalten."

Nur die wenigsten kennen die Krankheit

Neben dem Sammeln von Spenden geht es Larissa aber auch darum, generell auf die Krankheit aufmerksam zu machen. "Sehr viele Menschen, mit denen ich bisher in Kontakt war, hatten noch nie von einem Lipödem gehört", berichtet sie. "Das sehe ich als sehr großes Problem an, nicht nur gesellschaftlich sondern auch medizinisch. Die Krankheit ist wahnsinnig unterdiagnostiziert und so bekommen Betroffene häufig jahrelang keine ausreichende Behandlung oder Hilfe."

Trotz ihrer Erkrankung will die 27-Jährige die Hoffnung auf ein normales Leben nicht aufgeben. Sie weiß auch schon genau, was sie als erstes tun würde, sobald die rettende Operation durchgeführt worden ist. "Ich würde gerne wieder laufen gehen. Einfach wieder draußen Sport machen, mit dem Hund gehen oder auf den großen Arber wandern. Vielleicht pilgere ich auch nach Altötting, wenn das alles überstanden ist."

Info: Wer Larissa Aichinger mit einer Spende unterstützen möchte, kann das unter https://www.gofundme.com/f/lipodemlipedema-how-to-save-my-life tun.